Linguistic landscape macedonia

Repräsentation von Mehrsprachigkeit in der Linguistic Landscape Mazedoniens

Julian Nitzsche

Die Untersuchung der Linguistic Landscape eines Gebietes ist in mehrsprachigen Gebieten, wie es Mazedonien traditionell eines ist, eine Möglichkeit, mehr über Prestige, Hierarchien und das Verhältnis der dort gebrauchten Sprachen untereinander herauszufinden.

Die Beziehung insbesondere zwischen den beiden größten Sprechergruppen in Mazedonien (Mazedonisch und Albanisch), die sich im Wesentlichen mit den beiden maßgeblichen ethnischen Gruppen decken, war – nicht nur – in den letzten drei Jahrzehnten konfliktreich. Während eine Gruppe – die slawischsprachigen Mazedonier, größtenteils Christen – die Titularnation des 1991 unabhängig gewordenen Staates stellt, deren Eigenständigkeit in der Vergangenheit von den Nachbarn insbesondere aus Bulgarien und Serbien immer wieder in Frage gestellt wurde, ist die andere, die zum großen Teil muslimischen Albaner, zwar eine Minderheit, jedoch eine zahlenmäßig relativ starke. Zur Volkszählung 2002 – der bislang letzten – stellten sie einen Anteil von immerhin einem Viertel der Bevölkerung. Dieser dürfte sich in den letzten 15 Jahren noch deutlich vergrößert haben. Vor dem Hintergrund des Krieges im benachbarten Kosovo und dessen Unabhängigkeit sowie der bewaffneten Unruhen im vorwiegend albanischen Nordwesten Mazedoniens 2001 ist die Situation zwischen den beiden großen Gruppen angespannt.

Nach 2001 wurde mit dem Ohrid-Prozess eine allmähliche Entspannung eingeleitet. Der albanischen Volksgruppe wurden gewisse sprachliche Rechte und Institutionen – darunter eine Universität – zugestanden, auch der Gebrauch des Albanischen im öffentlichen Raum entwickelte sich positiv. Dennoch kam es, insbesondere im Vorfeld von Parlamentswahlen, immer wieder zu öffentlich ausgetragenen Konfrontationen, wie z.B. 2012 um den Bau einer orthodoxen Kirche auf der osmanischen Festung Kale oder im März 2016 um die geplante Errichtung eines weiteren monumentalen Kreuzes in einem Vorort von Skopje. Die nach dem Machtwechsel 2017 eingeleitete Diskussion über die Schaffung eines offiziell mehrsprachigen Staates wird daher kontrovers geführt. Während die albanische Seite auf der Umsetzung der ihr zugesprochenen Rechte beharrt, fürchten einige slawische Mazedonier die Schwächung ihres Nationalstaates – der ohnehin mit Identitätskomplexen belastet ist. Das entsprechende Gesetz, das Albanisch zur zweiten Amtssprache erhebt, wurde schließlich im Januar 2018 verabschiedet.

Vor diesem Hintergrund habe ich mich anlässlich der Exkursion im September 2017 etwas näher mit dem aktuellen Stand der öffentlichen Mehrsprachigkeit im de facto ohnehin mehrsprachigen Mazedonien beschäftigt. Meine Beobachtungen habe ich verglichen mit den Eindrücken, die ich bei einem ersten Aufenthalt im Sommer 2008 sammeln konnte – also fast ein Jahrzehnt zuvor.

Skopje/Shkup

Als Landeshauptstadt und Sitz der politischen und wirtschaftlichen Macht hat Skopje ein besonderes Prestige, dass im Zuge der Arbeiten im Rahmen von „Skopje 2014“ unter der Regierung von Nikolai Gruevski in den letzten Jahren auf oft eher zweifelhafte Art und Weise noch ausgebaut wurde. Das nationale Prestige für das christliche, slawischsprachige Mazedonien – manifestiert durch das überdimensionierte Kreuz auf dem Berg Vodno, das Tag und Nacht über der Stadt thront – wird konterkariert durch die Tatsache, dass die osmanische Altstadt überwiegend von (muslimischen) Albanern bewohnt wird. Diese stellten 2002 in der gesamten Stadt ein Fünftel der Einwohnerschaft. Dennoch war Albanisch außerhalb der Altstadt im Jahr 2008 kaum präsent.

Knapp ein Jahrzehnt später fällt dagegen bereits bei der Einfahrt in die mazedonische Hauptstadt auf, dass die Wegweisung auf der Autobahn und an den Abfahrten nicht mehr nur Ziele in mazedonischer Sprache und englischer Transkription ausweist, sondern diese nunmehr auch auf Albanisch angeführt werden – in gleicher Schriftgröße. Bei einem Stadtrundgang zeigte sich, dass  das selbe auch für die innerstädtische touristische Wegweisung zu den Sehenswürdigkeiten gilt. Bemerkenswert ist hier lediglich die Reihenfolge der Sprachen: Mazedonisch ist als erstes angeführt; an zweiter Stelle folgt jedoch nicht Albanisch, sondern Englisch als „Touristensprache“.

Abbildung 1: Innerstädtische Beschilderung in mazedonischer, englischer und albanischer Sprache

Anders handhabt es die Stadtgemeinde Çair, auf deren Territorium sich die – größtenteils von albanischen Muslimen bewohnte – Altstadt (befindet. Die hiesigen Straßennamensschilder führen den albanischen Namen an erster Stelle an, darunter folgt (in gleicher Größe) die mazedonische Übersetzung. Auch zahlreiche Aufschriften an Geschäften und in Schaufenstern der Altstadt sind zweisprachig oder (seltener) nur in albanischer Sprache. Hinzu kommt an einigen Stellen das Türkische, insbesondere an religiösen und kulturellen Einrichtungen sowie an den Einrichtungen der türkischen Minderheit, die in Skopje etwa 1,7 % der Bevölkerung stellt.

Abbildung 2: Zweisprachiger Aushang in einem Schaufenster in der Altstadt von Skopje

Selbst an Leuchtanzeigen der im Rahmen des Großbauprojektes 2014 angeschafften roten Doppelstockbusse, die Skopje weltstädtischen Flair verleihen sollen, wechseln sich die Zielbezeichnungen in mazedonischer und albanischer Sprache ab. Andererseits fehlt das Albanische an Orten, wo man es zwingend vermutet hätte. Die Informationstafeln an der ebenfalls neu errichteten Mutter-Teresa-Gedächtniskirche im Zentrum sind auf Mazedonisch und Englisch, obwohl Anjezë Gonxha Bojaxhiu zweifelsfrei albanische Muttersprachlerin war. Die Statue vor der Kirche trägt sogar eine rein mazedonische Gedenktafel.

Abbildung 3: Straßenschild in Çair (Skopje) mit albanischer Bezeichnung an erster Stelle

Auch in die Beschilderung entlang der Autobahnen hat das Albanische als zweitgrößte Sprache im Land Einzug gehalten, so z.B. an der „Mutter-Teresa-Autobahn“ von Skopje nach Tetovo. So werden beispielsweise an Mautstationen neben Mazedonisch an erster Stelle und Albanisch an zweiter noch die internationalen Sprachen Englisch, Französisch und Deutsch angeführt.

Abbildung 4: Informationstafel an der Mutter-Teresa-Gedächtniskirche (Skopje)

Tetova/Tetovo

Im Gegensatz zu Skopje überwiegt in der westlich gelegenen Stadt Tetovo/Tetova das Albanische im Stadtbild deutlich, was angesichts der albanischen Mehrheit von 70 % in der Gemeinde und dem Status Tetovos als „heimliche Hauptstadt“ der mazedonischen Albaner kaum verwundert. Auch mazedonische Flaggen sind – ganz anders als in Skopje – kaum präsent. In der innerörtlichen Wegweisung, für die die Gemeinde verantwortlich ist, steht Albanisch entsprechend den Mehrheitsverhältnissen an erster Stelle, Mazedonisch an zweiter.

Abbildung 5: Dreisprachige Beschilderung an der “Mutter-Teresa-Autobahn” von Skopje nach Tetovo

Dibra/Debar

Auch die Bevölkerung des ganz im Westen des Landes in unmittelbarer Nähe zur albanischen Grenze gelegenen Dibra (Debar) ist überwiegend albanisch. Das albanische steht daher in der Beschilderung – auch an Ortsschildern etc. – an erster Stelle.

Centar Župa

Das überwiegend von Muslimen bewohnte Gebiet von Župa oberhalb des Debar-Stausees hebt sich sprachlich von den albanischen Gebieten Westmazedoniens ab. Die muslimischen Einwohner der Dörfer von Župa deklarieren sich entweder als Türken (laut der Aussage eines in der Gemeinde angesehen Einwohners beinahe ausschließlich) oder als mazedonische Muslime (laut der Aussage des Arztes von Župa mehrheitlich). Die Frage nach der ethnischen bzw. nationalen Identität der Bewohner von Župa scheint also nicht abschließend geklärt.

In der Linguistic Landscape dominiert das Mazedonische, welches auch am Ortsschild an erster Stelle steht. Sehr präsent, jedoch in der Regel nachrangig, ist zudem das Türkische. Am repräsentativ in der Ortsmitte platzierten Atatürk-Denkmal steht es an erster Stelle (über der mazedonischen Inschrift), ansonsten meist darunter. Albanisch ist kaum in der Öffentlichkeit vertreten und wird – wiederum gemäß der befragten Einwohner – trotz der geographischen Nähe zu Dibra/Debar wenig gesprochen.

Abbildung 6: Innerstädtische Wegweisung in Tetovo mit Albanisch an erster Stelle

Völlig konfliktfrei scheint das Verhältnis zwischen den Sprachgruppen dennoch nicht zu sein, zumindest wurden die zusätzlichen türkischen und lateinisch-mazedonischen Ortsnamen am Ortsschild von Dolno Melničani/Asago Melnican auf dem Weg von Debar nach Župa übersprüht.

Abbildung 7: Atatürk-Statue mit türkisch-mazedonischer Inschrifttafel in Centar Župa

Dolna Gorica/Gorica e Vogël

Gorica ist eines jener Dörfer am albanischen Ufer des Prespasees, direkt hinter der mazedonischalbanischen Grenze, in denen vorwiegend Mazedonisch gesprochen wird. Anders als sämtliche anderen nationalen Minderheiten genossen die Mazedonier von Prespa auch während des kommunistischen Regimes unter Enver Hoxha gewisse sprachliche Rechte. Der landesweit bekannte Schriftsteller Sterjo Spasse war ethnischer Mazedonier aus den Prespadörfern, schrieb jedoch größtenteils auf Albanisch.

2013 wurde die bisherige Gemeinde Liqenas, in der sich die mazedonischen Dörfer befinden, offiziell in „Pustec“ umbenannt, erhielt also ihren mazedonischen Namen als offizielle Bezeichnung. Das Gemeindewappen besteht aus dem Stern von Vergina, als dem mazedonischen Symbol schlechthin, das in den frühen 1990er Jahren auch die Flagge der Republik Mazedonien zierte.

Abbildung 8: Übersprühtes Ortseingangsschild nahe Centar Župa

Straßenschilder, Wegweiser und Hinweistafeln an öffentlichen Einrichtungen in den besuchten Orten der Gemeinde Pustec sind zweisprachig, wobei das Mazedonische als lokale Mehrheitssprache dennoch an zweiter Stelle hinter dem Albanischen steht. Auf dem (christlichen) Friedhof von Dolna Gorica dominieren mazedonisch-kyrillische Grabinschriften, wobei eine bemerkenswerte Anzahl auch in lateinischer Schrift gehalten ist, was sicher auf den Einfluss der albanischen Staatssprache zurückzuführen ist. Auffällig erschien, dass die von der Kirchgemeinde angefertigten „vorläufigen“ Holzkreuze für kürzlich Verstorbene ausschließlich kyrillisch beschriftet waren, während die – von den Familien in Auftrag gegebenen – Grabsteine teils kyrillisch, teils lateinisch beschriftet waren. An einer Gebäudewand in der Nähe der Kirche fanden sich eingekratzte Inschriften (vermutlich von Jugendlichen) sowohl in lateinischer als auch in kyrillischer Schrift.

Abbildung 9: Wappen der Gemeinde Pustec (Liqenas) mit dem “Stern von Vergina”

In der Schule von Dolna Gorica wird auf Albanisch und Mazedonisch unterrichtet. Von den Schülern gestaltete Aushänge in den Fluren sind entweder Mazedonisch (häufiger) oder Albanisch (seltener), jedoch nicht zweisprachig. Auf dem Schreibtisch der Direktorin stehen die albanische Staatsflagge sowie die alte Flagge der Republik Mazedonien mit dem Stern von Vergina. Die Hinweistafel am Wahlkampfbüro des Bürgermeisterkandidaten E. Temelko war beinahe komplett in mazedonischer Sprache gehalten, mit Ausnahme der Benennung seines Wahlbündnisses, das vermutlich aus rechtlichen Gründen einen albanischen Namen tragen muss. Auch zwei Wahlplakate in den Fenstern des Gebäudes waren komplett zweisprachig, mit Mazedonisch an erster Stelle.

Abbildung 10: Grabstein (lateinisch) und Grabkreuz (kyrillisch) auf dem Friedhof von Dolna Gorica

Ohrid/Ohri

In Ohrid als der beinahe mythisch aufgeladenen „kulturellen Hauptstadt“ Mazedoniens und einem der bedeutendsten Orte der mazedonischen sowie bulgarischen Geschichte überwiegt das Mazedonische im Stadtbild. Dennoch stellen – vorwiegend albanische und türkische – Muslime ein knappes Fünftel der Stadtbevölkerung, was sich zwar kaum in der offiziellen Beschilderung niederschlägt, besonders in und an den Ladengeschäften in der Altstadt (Čaršija) jedoch sicht- und hörbar wird. Hier sind auch die türkische und albanische Sprache in Schaufenstern und Tischgesprächen präsent, die Kebabstände heißen „Adana“ und es werden (neben den üblichen Klosterkirchen) auch Atatürk-Postkarten feilgeboten.

Abbildung 11: Hinweistafel am Wahlkampfbüro des Bürgermeisterkandidaten (Dolna Gorica)

Die Aushänge in der staatlichen Postfiliale von Ohrid mit Tarifinformationen waren vollständig zweisprachig Mazedonisch-Albanisch.

Fazit

Dass Mazedonien – in deutlich größerem Maße als seine Nachbarn Bulgarien, Griechenland und Albanien – ein mehrsprachiges Land ist, wird in der Linguistic Landscape der untersuchten Orte durchaus deutlich, wenngleich die sprachlichen Minderheiten nicht immer und überall in angemessenem Ausmaß berücksichtigt und repräsentiert werden. Die Präsenz des Albanischen als zweitgrößter Sprache im Land hat sich im Vergleich zu 2008 insbesondere in Skopje deutlich vergrößert. Es bleibt abzuwarten, inwiefern die Anerkennung des Albanischen als zweiter Amtssprache und der Umbau Mazedoniens zu einem offiziell mehrsprachigen Staat das Straßenbild weiter diversifizieren werden. Insbesondere die Auswirkungen der neuen Regelungen auf die kleineren Sprachminderheiten, vor allem die türkische, werden sich erst im Laufe des Prozesses zeigen.

Abbildung 12: Mehrsprachiges Schaufenster und Kebabhaus “Adana” in der Altstadt von Ohrid

Skopje 2014

„Skopje 2014“ und die verfehlte Identitätspolitik – eine Kritik

Sandra Türk

Als am 26. Juli 1963 die Erde in Skopje bebte und die Bahnhofsuhr um 5:17h stehen blieb, ahnte noch niemand, wie über 50 Jahre später das Zentrum der Stadt einmal aussehen würde. Ein ca. 850 Millionen Euro teures Architekturprogramm sollte der Stadt eine neue imperialistisch-klassizistische Erscheinung geben, doch offen diskutiert oder gar angekündigt wurde dieses Vorhaben nicht. Die NGO “Плоштад Слобода” (Pložtad Sloboda, dt. Platz der Freiheit) hat sich mit ihrer Kampagne „Skopje 2014 uncovered“ zum Ziel gesetzt, Licht ins Dunkel dieses absurden Vorhabens zu bringen und der Öffentlichkeit zu beweisen, dass unter dem Deckmantel eines zentral gesteuerten Konjunkturprogramms öffentliche Gelder an regierungsnahe Unternehmen flossen, die mit diesem Bauvorhaben beauftragt wurden.

Nationales Prestigebedürfnis

Die Hauptstadt Mazedoniens erlebt eine institutionell aufgezwungene Renaissance: 100 vermeintliche Helden-Skulpturen, 34 über-ladene Monumente und 27 Gebäude mit aufgehübschter Vorhangfassade im neoklassizistischen und neo-barocken Stil sollen den neuen Nationalismus und eine starke, mazedonische Identität reflektieren. Solch überdimensionierte pietätlose Architektur, die man bisher nur aus ostasiatischen Autokratien oder futuristischen Wüstenoasen kennt, findet man nun auch mitten auf dem Balkan – in drittklassiger Bauqualität, denn die Gipskartonfassaden aus leicht entzündlichen Materialien bedürfen nachweislich der brandschutztechnischen Überarbeitung. Neue Brücken mit imperialistisch anmutenden Laternen verbinden die beiden Ufer des Vardar-Flusses, der das postsozialistische – von Manuel Andrack in einem ZEIT-Artikel auch als „Post-Beben-Architektur des Japaners Kenzo Tange“ bezeichnete – orthodoxe Zentrum von der mittelalterlichen, osmanisch geprägten Altstadt trennt. Doch diese Brücken dienen nicht etwa dem Zweck, die beiden Stadtteile auf vielfache Wege zu verbinden. Es wurde nicht versäumt, am muslimischen Ufer neue Gebäude zu erschaffen – mit einer Gebäudehöhe, die jegliche Sicht auf das muslimische Erbe versperrt. Dieses Erbe, das historisch nicht dementiert werden kann, soll perspektivisch den Bewohnern und seinen Besuchern unterschlagen werden.

Ethnopolitische Spannungen

Nur knapp 65% der Bevölkerung Mazedoniens sind slawo-mazedonischer Herkunft, knapp ein Drittel ist ethnisch betrachtet albanisch. Aber Skopje besteht auf seine christliche Kultur, die mit dem überdimensionierten „Mileniumski Krst“, dem Kreuz der Jahrtausendwende, auf seinem Hausberg Vodno verdeutlicht werden soll, ein weiteres Symbol einer orthodoxenmuslimischen Segregation. Für eine ethnisch-albanische Kultur hingegen ist kein Platz. Nur die muslimische Ordensschwester und Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa passt ins Bild, ihr wurde ebenfalls eine Gedenkstätte auf der Ulica Makedonija gewidmet – ein Kassenschlager und Highlight bei jeder Stadtführung. Was der Vollblutmazedonier sicher gerne verschweigt oder vielleicht gar nicht weiß: das Ohrid-Abkommen aus 2001 beinhaltet den Grundsatz der Nichtdiskriminierung, dennoch ist Albanisch immer noch nicht als zweite Amtssprache anerkannt worden und Mitspracherechte werden versagt. Die albanische Teilhabe hat zwar zugenommen, nicht aber die Integration. Die ethnische Segregation nimmt durch das westliche, italo-orientierte Mutterland Albanien zu, was nicht zuletzt auch der historischen und geografischen Lage geschuldet ist.

Die Rebellion der jungen Generation

Und als wäre das pseudo-monumentale refurbishment nicht genug, fielen auch 12 Parks und 35% der Bäume Skopjes – viele davon bis zu 70 Jahre alt – der Renovierung zum Opfer und bescherten der Stadt zugleich eine erhöhte Luftverschmutzung. All das führte dazu, dass ein Teil der vermeintlichen Nachkommenschaft des antiken Makedonien und seinem Herrscher Alexander des Großen sich nicht beeindrucken ließ und dem Bauwahn ihr eigenes Denkmal setzte: in einer Revolte beschmissen aufgebrachte Bewohner und Studenten die frisch gestrichenen Bauwerke, „Skopje 2014“ fiel den Farbbomben zum Opfer. Auch diese Spuren werden nun unvermeidbar in die Geschichte der Stadt eingehen.

Der Halbmond steht höher

Mit „Skopje 2014“ wollte sich die nationalistische Regierungspartei unter Nikola Gruevski vom Sozialismus und dem architektonischen Erbe des Osmanisches Reiches trennen, ein verunsichertes Land, das als post-jugoslawische Nation verzweifelt eine neue, eigene Identität sucht. Griechenland blockiert aufgrund des Namensstreits weiterhin den EU- und NATO-Beitritt Mazedoniens, was unter Umständen ein wichtiger Schritt in Richtung politischer Ordnung und Stabilisierung für das Land bedeuten könnte. Der verbitterte Versuch, das nationale Selbstgefühl mit Gipskarton zu untermauern kann aus eurozentrischer Sicht lächerlich wirken, es ist aber auch gefährlich. Denn solange auf dem Balkan Gebäude und Kirchen errichtet werden mit dem Ziel, jedes Minarett zu überragen, wird der seidene Faden, an dem der empfindliche Frieden auf dem Balkan hängt, länger und länger, bis er schließlich zu reißen droht. Und dennoch, eines kann die Regierung nicht verhindern und zwar die immer wiederkehrende Mondsichel, die sich hoch über dem Vodno und seinem Kreuz erhebt. Denn selbst mit der höchsten Gipskarton-Platte ließe sich dieser nicht verdecken.

Weiterführende Informationen: http://skopje2014.prizma.birn.eu.com/en


WEITERE THEMEN

BUNK’ART – entering the dark past

Die Bektashi in Albanien und ihre Geschichte

Die Watchdog-Organisation Eco Guerilla

Fieldwork Šipkovica: Perceptions and group dynamics

Forgotten Spaces in border regions

Frauen auf dem Balkan

Interkulturalität und Mehrsprachigkeit in Albanien und Mazedonien

Mehrsprachigkeit innerhalb der einheimischen Bevölkerung Mazedoniens und Albaniens

Repräsentation von Mehrsprachigkeit in der Linguistic Landscape Mazedoniens

State Identities and Architecture in Albania and Macedonia

The (hidden) face of Macedonia

The inevitability of nationalism

The (post)Yugoslav legacy and everyday life in Macedonia and Albania

 


MEHR ORTE

FieldTrip de Placeholder
FieldTrip de

Skopje 2014

Project Skopje 2014 and Societal Security Sector

Dunja Stojanović

Societal Security is the term characteristic for academic thought known as Copenhagen School. The term was first introduced by Barry Buzan. That is one of the five security sectors in one society beside political, military, economic and environmental sector. Another theorist within’ the School, Ole Waever defines societal security as “the ability of society to persist in its essential character under changing conditions and possible or actual threats”.[1] These conditions are “conditions for evolution of traditional patterns of language, culture, association, etc.”[2]

Possible or actual societal threats that were recognized in Macedonia can be divided into external and internal. Conditions for evolution are related to identity which, in my opinion, Macedonia is still seeking for. Nation building project named Skopje 2014 was sort of
an attempt to reconstruct or to build national identity of Macedonia. External threats were seen in Macedonian neighbors who constantly question the existence of Macedonian nation and identity. Another challenges and threats are internal and related to Albanians in that country.

In 2006 when VMRO-DPMNE came to the power, Nikola Gruevski as leader in that time suggested the process of reconstructing identity that was known as antiquisation. That was the linkage between Macedonians of that time with ancient Macedonians. The figure that was used was Alexander the Great. Also in 2006, the Skopje Airport was renamed to his airport. After their second election win in 2008, the Stadium in Skopje was renamed to National Arena Philip II. Skopje 2014 project appeared as the biggest effort by then. It included reconstruction of buildings and setting the statues of Alexander the Great, Philip II, Emperor Samuel, Cyril and Methodius and the monument dedicated to the victims of ethnic conflict in 2001.

This project tried to strengthen societal security of Macedonians, but that can provoke insecurity for the other groups. That is called societal security dilemma. External, Bulgaria and Greece understood this project as stealing their own history. Bulgaria accepts the Macedonian country, but not the nation. Greece and Macedonia have bad relations from the first years of Macedonia’s independence, because of the country’s name. In 2008, Greece vetoed Macedonia’s admission for NATO membership. This project only highlighted their conflicts. Internal, Albanian people in Macedonia looked at the project as insulting and offensive. That led to their perception of exclusion. As an answer Albanians started up the project in which Skenderbeg Square was built and schools and streets in Albanian part of the Skopje were renamed.

Now, with new government and Zaev as prime minister, a desire to settle the dispute with Greece is recognized. Airport name is withdrawn. Also, Zaev is considered the prime minister who did something for Albanians’ rights at the moment. Because of that, Macedonians see themselves endangered.

This societal security dilemma in which one has more and other less security leaves Macedonia with no continuity and with relations within the state unstable.

[1] Waever, Buzan, and Kelstrup 1993, 23.

[2] Waever, Buzan, and Kelstrup 1993, 23.

This was one of the most interesting experience during this fild trip. I had the chance to see how Skopje looks like after project Skopje 2014. Nikola, the tour guide explained the political system in Macedonia and how that affcts in everyday life of people.
Dunja, M.A. Student U Belgrade

Sehr interessante Führung und gute Hintergrundinformationen zu „Skopje 2014“. Ich bekam einen guten Eindruck, wie die „eigene ‘Geschichte“ geschrieben wird , anhand der großen Anzahl der Denkmäler, der Bauten und wie der Anspruch der VMRO-DPMNE durch dieses Vorhaben war, das „MazedonischOrthodoxe“ vom „Albanischen“ zu trennen.
Michal, M.A. Student HU Berlin

„Skopje 2014“ and failed identity politics – a critique

Sandra Türk

When the earthquake hit Skopje July 26th 1963 and the station clock stopped at 5.17am no one suspected what the town centre would look like over 50 years later. An architectural programme costing 850 million euros was supposed to give the town a new imperialistic and neo-classical look, without publicly discussing or even announcing this project. The NGO “Плоштад Слобода” (Pložtad Sloboda, engl. Freedom Square) has planned a campaign called „Skopje 2014 uncovered“ to bring light into this absurd scheme. They want to prove to the public that public money went to government-close enterprises which were commissioned for this project.

National need for prestige

The capital of Macedonia is undergoing an institutionally imposed renaissance: 100 sculptures of supposed heroes, 34 overloaded monuments and 27 buildings with pimped up facades in a neo-classical and neo-baroque style are supposed to reflect the new nationalism and a strong Macedonian identity. This kind of overdesigned and disrespectful architecture which is so far only known from eastern Asian autocracies or futuristic desert oases has now also arrived on the Balkans – with third class quality as the plasterboard facades made of flammable materials do not conform to fire safety requirements. New bridges with imperialistic lanterns connect the two banks of the Vardar River which separates the post socialist orthodox centre with the medieval Ottoman old town. But these bridges do not serve to unite the two parts of towns. The government didn’t fail to construct new buildings on the Muslim bank of the river, obstructing the view of the Muslim heritage. This heritage which cannot be denied historically is supposed to be withheld.

Ethnopolitical tension

Only 65% of Macedonia’s population are of Slavic-Macedonian origin, almost a third is ethnically Albanian. But Skopje insists on its Christian culture which is made clear by the over-dimensional Mileniumski Krst, the millennium cross on the mountain of Vodno, another symbol of Orthodox-Muslim segregation. There is no space for an ethnic Albanian culture however. Only the Muslim Nobel Peace Prize laureate Mother Teresa fits in, a memorial was dedicated to her on Ulica Makedonija – on of the highlights of every city tour. The Ohrid Agreement 2001 includes the principle of non-discrimination, however Albanian still is not recognised as a second official language. Albanian participation has grown but the integration has not. The ethnic segregation is increasing through the western Italian-oriented mother country Albania, due to the historic and geographical situation.

The rebellion of the younger generation

As if the pseudo-monumental refurbishment wasn’t enough, 12 parks and 35% of Skopje’s trees  – many up to 70 years old – were removed which has entailed a higher air pollution. All of this contributed to the fact that the assumed descendants of ancient Macedonia and its ruler Alexander the Great are not impressed and have made their own kind of memorial: in an insurgence the freshly painted buildings were attacked by enraged inhabitants and students, Skopje 2014 became the victim of colour bombs. These traces are now also an inevitable part of the town’s history.

The crescent moon stands higher

The nationalistic government party under Nikola Gruesvki wanted to part with socialism and the architectural heritage of the Ottoman Empire with the help of Skopje 2014, an insecure country that is looking for a new identity as a post-Yugoslav nation. Greece is blocking Macedonia’s joining the EU and NATO due to the naming dispute, although this could be an important step towards political order and stabilisation. The jaundiced attempt to confirm the national self-esteem with plasterboard seems ridiculous from a Eurocentric perspective, but it is also dangerous. Because as long as buildings and churches are erected with the aim of surmounting every minaret the silk thread which is holding the sensitive peace on the Balkans will become longer and longer until it threatens to tear. Nevertheless, the government cannot prevent the ever-returning crescent moon rising above Vodno Mountain and its cross. Because even the highest plasterboard panel will not be able to obscure it.

 

BUNK’ART

BUNK’ART – entering the dark past

Megan Nagel, Goranka Ćejvanović

Albanian Dicator Enver Hoxha’s bunker

Enver Hoxha had a five-storeyed bunker built consisting of 100 rooms on the outskirts of Tirana in the 1970s for his own protection against a nuclear attack. The number of massive bunkers in the People’s Socialist Republic of Albania can only be estimated. Official statements say 221.143 bunkers were built to protect the population. After Enver Hoxhas death in 1985 and until the disintegration of communism in 1990 isolated Albania was ruled by Ramiz Alia.

I have had just a basic information about the Dervish community before the journey, and their religious plurality and inclusivity is something that can be of greater interest and relevance for the Balkans.
Marko, PhD Student U Belgrade

A bunker becomes BUNK’ART

The museum BUNK’ART was only opened 24 years later. The artistic presentation is realised by two journalists, the Italian Carlo Bollino and Albanian Admirina Peçi, with support from the Albanian government as well as the NGO Qendra Una. Currently 24 rooms are open to the public, subdivided into different topics. One part is a chronology of the history and the life of the population:  the invasion of the Italians, the occupation by the Germans and the end of the propagandistic regime. This is visualised by different kinds of objects, photos, documents such as letters and maps as well as video installations.

Ovo je jedna od najzanimljivijih poseta u Albaniji. Oduševljena sam time što su bunker koji je bio značajan za vreme vladavine Envera Hodže pretvoren u muzej koji slikovito dočarava taj vremenski period.
Dunja, M.A. Student U Belgrade

We enter BUNK’ART

The entry to the bunker is reached through a long, cold and dark tunnel, the concrete door is already open. We are greeted by an unpleasant moisture. Rats or bats no longer live here.  We walk from room to room of this labyrinth of self-experimentation. And we can hear the dictator’s voice. We push the button. Sirens ring out, we are standing in a room filled with smoke. We can feel the culture of fear. Only the artist himself can pull us out of the creepy past with his play of colourful light. But the self-experiment lasts until the end. The echo of the concrete toilet door leaves a bitter taste as it slams shut and evokes the feeling of being imprisoned.

BUNK’ART is not only a testimonial to the propagandistic regime, it’s also a documentation centre serving for the rehabilitation of history and the process of coming to terms with the past.

Prijatno sam iznenađena … Nisam očekivala njihovo potpuno otvaranje najmračnijih perioda polovine 20og veka i veoma sam pozitivno iznenađena tim iskorakom (Srbija još uvek nije napravila taj iskorak prema najtežim praksama koje je sprovodila Komunističa partija Jugoslavije). Upadljiv je otvoreni odnos Bunk‘Art muzeja prema novijoj istoriji i Nacionalnog muzeja istorije u Tirani koji propagira snažan nacionalistički diskurs i revizionističku istoriju
Sanja, M.A. Student U Belgrade